Selbstständig machen als Tischler: Kosten, Förderung und erste Schritte
Du bist Tischler und willst dich selbstständig machen? Hier erfährst du, welche Voraussetzungen du brauchst, was die Gründung kostet und wie du Förderung bekommst.
Von der Meisterpflicht über die Handwerkskammer bis zum Businessplan — alles, was du als Tischler für deine Gründung wissen musst.
Unverbindliche Ersteinschätzung. Eine Förderzusage erteilen ausschließlich Agentur für Arbeit oder Jobcenter.
Was du als Tischler für die Gründung brauchst
Die Tischlerei ist ein zulassungspflichtiges Handwerk. Das bedeutet: Du kannst dich nicht einfach so selbstständig machen — bestimmte Voraussetzungen müssen erfüllt sein.
Meisterbrief (Tischlermeister)
Der sicherste Weg in die Selbstständigkeit. Mit dem Meisterbrief kannst du dich direkt bei der Handwerkskammer anmelden und deine Tischlerei eröffnen. Du musst die Tischlermeisterprüfung ablegen und die Eintragung in die Handwerksrolle beantragen.
Ausnahmebewilligung (ohne Meister)
In Ausnahmefällen kannst du auch ohne Meisterbrief eine Ausnahmebewilligung bei der Handwerkskammer beantragen. Voraussetzung: Du musst langjährige Berufserfahrung und besondere fachliche Qualifikation nachweisen. Die Hürden sind hoch — lass dich vorab beraten.
Eintragung in die Handwerksrolle
Mit Meisterbrief oder Ausnahmebewilligung meldest du dich bei der zuständigen Handwerkskammer an. Du wirst in die Handwerksrolle eingetragen und erhältst deine Betriebsnummer. Das ist der offizielle Start deiner Tischlerei.
Gewerbeanmeldung und Finanzamt
Nach der Handwerksrolle meldest du dein Gewerbe beim Gewerbeamt an (Kosten: 20–60 €). Danach folgt der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt. Beide Schritte sind in wenigen Tagen erledigt.
Was kostet die Gründung einer Tischlerei?
Die Kosten hängen stark davon ab, ob du eine eigene Werkstatt brauchst oder klein anfängst. Hier eine realistische Übersicht.
| Kostenpunkt | Klein (ohne Werkstatt) | Mittel (kleine Werkstatt) | Groß (eigene Werkstatt) |
|---|---|---|---|
| Gründungskosten (Meister, HWK, Gewerbe) | 500–2.000 € | 500–2.000 € | 500–2.000 € |
| Werkstatt (Miete/Kauf) | 0 € | 500–1.500 €/Monat | 1.500–5.000 €/Monat |
| Maschinen & Werkzeuge | 5.000–15.000 € | 15.000–40.000 € | 40.000–100.000 € |
| Fahrzeug (gebraucht) | 5.000–10.000 € | 10.000–20.000 € | 15.000–30.000 € |
| Versicherungen (Betriebshaftpflicht, etc.) | 500–1.000 €/Jahr | 1.000–2.000 €/Jahr | 2.000–4.000 €/Jahr |
| Rücklage (6 Monate Lebenshaltung) | 10.000–15.000 € | 15.000–25.000 € | 25.000–40.000 € |
| Gesamt (Größenordnung) | 20.000–35.000 € | 45.000–90.000 € | 85.000–180.000 € |
Förderung für Tischler im Überblick
Der Staat unterstützt Handwerker bei der Gründung mit verschiedenen Programmen.
Gründungscoaching finanzieren
Der AVGS finanziert dein Gründungscoaching: Businessplan, Finanzplanung, Marktanalyse. Voraussetzung: Du bist bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter gemeldet.
Gründungszuschuss
Finanzielle Unterstützung für Gründungen aus dem Arbeitslosengeld I. Du brauchst einen Businessplan und eine fachkundige Stellungnahme — beides erstellen wir mit dir.
KfW-Gründerkredit
Günstige Darlehen bis 125.000 € für Maschinen, Werkstatt und Betriebsmittel. Besonders relevant für Tischler, die in eine eigene Werkstatt investieren.
Was Tischler bei der Gründung beachten müssen
Das Handwerk hat eigene Regeln — anders als freie Berufe oder Dienstleistungen.
✅ Chancen als Tischler
- Hohe Nachfrage: Handwerker werden überall gesucht — von Möbeln über Innenausbau bis Restaurierung
- Wertarbeit zahlt sich aus: Maßanfertigungen haben höhere Margen als Massenware
- Stammkunden: Wer einmal zufrieden war, kommt wieder — und empfiehlt dich weiter
- Nischen möglich: Spezialisiere dich (z.B. Badezimmermöbel, Treppenbau, Denkmalpflege)
⚠️ Risiken als Tischler
- Hohe Anfangsinvestition: Maschinen und Werkstatt sind teuer
- Körperliche Belastung: Handwerk ist anstrengend — plane deine Kapazität realistisch
- Preisdruck: Mit Billig-Möbeln konkurrieren ist unmöglich — setze auf Qualität
- Auftragsflauten: Zwischen großen Projekten kann es ruhig werden — Liquidität einplanen
FAQ: Selbstständig machen als Tischler
Die wichtigsten Fragen von Tischlern vor der Gründung.
Kann ich mich ohne Meisterbrief als Tischler selbstständig machen?
In Ausnahmefällen ja — über eine Ausnahmebewilligung bei der Handwerkskammer. Du musst langjährige Berufserfahrung und besondere fachliche Qualifikation nachweisen. Die Hürden sind hoch, aber nicht unmöglich. Lass dich vorab von der Handwerkskammer beraten.
Wie viel verdient man als selbstständiger Tischler?
Das hängt stark von Spezialisierung, Region und Kundenstamm ab. Als Größenordnung: Stundensätze von 60–100 € sind üblich, bei Maßanfertigungen auch mehr. Wichtig ist eine realistische Auslastungsplanung — die meisten Tischler starten mit 60–70 % Auslastung.
Brauche ich eine eigene Werkstatt?
Nicht zwingend. Viele Tischler starten mobil — mit Auftragsarbeiten in fremden Werkstätten oder bei Kunden vor Ort. Eine eigene Werkstatt wird erst nötig, wenn du größere Projekte planst oder Maschinen dauerhaft aufstellen willst.
Kann ich als Tischler den Gründungszuschuss beantragen?
Ja, wenn du aus dem Arbeitslosengeld I heraus gründest. Du brauchst einen Businessplan und eine fachkundige Stellungnahme zur Tragfähigkeit. Beides erstellen wir mit dir im AVGS-Coaching.
Welche Versicherungen brauche ich als Tischler?
Pflicht: Betriebshaftpflichtversicherung (Schäden bei Kunden). Dringend empfohlen: Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung (Handwerk = körperliche Arbeit), Maschinen- und Werkzeugversicherung, ggf. Rechtsschutz.
Wie finde ich meine ersten Kunden als Tischler?
Die besten Wege: Mundpropaganda (erste Aufträge aus dem Bekanntenkreis), lokale Sichtbarkeit (Google Business, Handwerkskammer-Verzeichnis), Kooperationen (mit Innenarchitekten, Küchenstudios, Bauunternehmen) und gezielte Nischenpositionierung (z.B. nur Treppenbau oder nur Denkmalpflege).
Bereit für deine Tischlerei?
Wir helfen dir, deinen Businessplan zu erstellen, die Finanzierung zu klären und die richtige Förderung zu beantragen. Kostenlos mit AVGS möglich.
Stand: Januar 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Kosten und Förderprogramme können sich ändern — prüfe die aktuellen Bedingungen bei der Handwerkskammer und Bundesagentur für Arbeit.
